Titelbild

Mein Gärtchen

Diesen Titel habe ich letztens einem Freund gegeben, damit er einen Text dazu entwerfen konnte. Kurze Zeit später erkannte ich, dass dieser Titel für mich zum damaligen Augenblick auch sehr relevant war. Hier meine Geschichte dazu:

Wie ist es, wenn dir jemand ins Gärtchen trampt? Wie fühlt es sich an, wenn jemand plötzlich über dich bestimmt? Wie wütend macht es dich, wenn jemand plötzlich von dir Dinge verlangt, die für dich im Moment nicht stimmig sind?

Letzthin wollte ich von einer Person Unterstützung. Sie sollte mich in meinem Arbeitsalltag als Lehrperson entlasten, da die Schulschliessung für mich zu Beginn der Corona-Krise eine grosse Herausforderung war. Ich durfte mich in die Technik eindenken, ich durfte Lernstoff ausarbeiten, ich durfte Kontakt mit den Schülern und Schülerinnen aufnehmen und sie fachlich wie auch emotional unterstützen – denn für die meisten Schüler und Schülerinnen fühlte sich die Anfangszeit des Lockdowns herausfordernd und unsicher an.

So begann ich bei Menschen nachzufragen, ob sie mich unterstützen könnten. Für mich war es vor allem wichtig, dass die Jugendlichen eine Bezugsperson hatten, die sie emotional und mental unterstützen konnte. Für mich war aber auch entscheidend, dass die Person, die mich entlasten sollte, Eigeninitiative und Selbständigkeit an den Tag legte. Mein sehnlichster Wunsch ging leider von der ersten Person, die ich um Unterstützung bat, nicht in Erfüllung. Anstelle von Unterstützung bekam ich immer wieder einen Mehraufwand zugeschoben, bis ich realisierte, dass mir hier jemand arg ins Gärtchen trampte. Meistens dauert es einen Moment, bis ich merke, dass jemand mir zwar ins Gärtchen trampelt, ich ihn in einem ersten Moment aber auch hineintrampen lasse. Ich spüre dann, dass ich aktiv werden muss, wenn ich mir meinen Garten bewahren möchte.

So entschied ich mich, mich abzugrenzen und mein Bedürfnis nach Unterstützung im Schulbetrieb an einem anderen Ort zu suchen. Denn Bedürfnisse, die erfüllt werden möchten, sind glücklicherweise nie personenabhängig. Eine liebe Arbeitskollegin bot mir wie aus dem Nichts ihre Unterstützung an. 😊

Ich habe erkannt, dass ich nur blühen kann, wenn ich mein Gärtchen schütze und mir bewusst bin, was mir guttut und was nicht. Wenn ich mir erlaube, nein zu sagen, erkenne ich immer wieder ein JA für mich. Und während dieser hektischen Anfangsphase des Homeschoolings musste ich meine Energie kanalisieren und konnte diese nicht noch darauf verwenden, den Menschen zu erklären, wie sie mich unterstützen könnten.

Mit dieser Entscheidung habe ich für mich innere Ruhe und Balance gefunden und die Blumen wieder zum Blühen gebracht.

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